Im Februar ist wieder einiges passiert: Researchgate.net und Scholarz.net haben eine neue Oberfläche, COSIS.net neue Journale im Peer Review System und kann jetzt auch Einiges auf Deutsch. Mendeley und ResearchGATE liefern sich weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen und melden jeweils etwa 800.000 Accounts – Mendeley gibt darüber wie immer in dem schönen Ticker Auskunft:

Trend: Facebook- und Twitter-Einbindung

Der aktuelle Trend scheint darin zu bestehen, dass die Netzwerke sich mit den anderen verbinden, Wissenschaftler-Netzwerke also Verknüfpungen zu Facebook- und Twitter-Accounts anbieten. Bei ResearchGATE kann man sich mit Accounts bei diesen Netzwerken sogar einloggen, desgleichen bei Academia.edu. Letztere laden auch gleich ein, doch mal die Freundesliste bei Facebook zur Jagd freizugeben. Mendeley bietet an dieser Stelle Drupal- und WordPress-PlugIns sowie Apps für Mobiltelefone. Hier lohnt sich ganz gewaltig die Veröffentlichung der API im August letzten Jahres, die offensichtlich viele Entwickler angeregt hat, Bibliotheken für Twitter-Mashups, Drupal und sogar für Elsevier’s Sciverse zu schreiben, um damit zusätzliche Impact-Messungen zu ermöglichen. Über die einfache Einbindung bei der Registrierung einer Publikation hatte ich schon letztes Mal geschrieben, und Mendeley ist nach wie vor das einzige Netzwerk mit eigener iOS-App.

Und das ist nicht alles, was Mendeley an Integration anderer Seiten bietet: Mendeley hat auch OpenURL integriert, damit der Leser, der in Mendeley ein interessantes Paper entdeckt, einen direkten Link zum Volltext aus seiner Institusbibliothek bekommen kann. So muss der Lesewillige sich nicht erst bei seiner Bibliothek einloggen und den Text dort suchen, sondern kann die Link-Resolver seiner Universität nutzen (sofern einer vorhanden), um direkt zum Volltext zu klicken.

Richtig kräftig an Facebook dran ist ResearchGATE, das die Oberfläche von Facebook so stark adaptiert hat, dass es mich nicht wundern würde, irgendwann von einer Übernahme ins Zuckerberg-Imperium zu hören. Wer Facebook kennt, kommt sofort mit der neuen Oberfläche klar, ist einfach nur alles in ResearchGATEs Giftgrün. Das zeigt, wie stilbildend Facebook geworden ist – nicht zu unrecht wie ich finde, es hat wirklich eine klare Oberfläche, bei der der eigenen Content gut zur Geltung kommt.

Marktdurchdringung erreicht?

Einiges anregende Echo hat die Liste der Netzwerke hier auf der Webseite erhalten. Diese Liste, deren Grundlage die Studie „Wissenschaft und Social Network Sites“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist, ergänzt um einige Funde von mir, hat ein gewisses systematisches Problem: Es gibt Netzwerke wie Biomedexperts oder cos.com, die mit automatisch generierten Profilen arbeiten oder bei denen die Profile ein Nebenprodukt eines anderen, nämlich eines Reference Managers sind. Ansatzweise gilt dies auch für Mendeley, bei dem man User ist, wenn man die Software nutzt – ohne sich wirklich mit anderen austauschen zu wollen im Sinne eines „sozialen“ Netzwerkes. Nützlich an diesen Zahlenspielen ist vor allem, zu erkennen, ab welchen Größenordnungen wir von einer Marktdurchdringung reden können. Drei Zahlen sollen das verdeutlichen:

  • Biomedexperts hat 1,8 Mio. automatische generierte Profile nur aus den Life Sciences.
  • COSIS.net hat 70.000 Mitglieder nur aus den Geowissenschaften, die größte Fachgesellschaft in dieser Disziplin, die American Geophysical Union (AGU), hat knapp 60.000 Mitglieder.
  • RefWorks COS gibt 2,4 Mio. Mitglieder aus allen Disziplinen an.

Ich schätze, dass sich daraus schließen lässt, dass bei einzelnen Disziplinen im hohen fünfstelligen bis hohen sechsstelligen Bereich von einer Marktdurchdringung gesprochen werden kann. Bei Netzwerken, die alle Disziplinen abdecken, wäre wohl im mittleren einstelligen Millionen-Bereich mit einer Marktdurchdringung zu rechnen, wenn man davon ausgeht, dass, einschließlich der Geisteswissenschaften, mit ungefähr 10 Mio. aktiven Forschern zu rechnen wäre. Mendeley und ResearchGATE sind auf bestem Wege dorthin und müssten ungefähr Ostern die Millionengrenze überschritten haben.

Weitere Netzwerke

Scholarz.net ist nach ungefähr einem Jahr wieder zu Leben erwacht und hat ein schickes neues Design – lustigerweise erinnert es an die Kartei-Reiter des alten ResearchGATE-Design. Besonderheit an Scholarz.net war immer, dass Forschungsprojekte das zentrale Feature waren – etwas, das die anderen Netzwerke so nicht kennen: Mendeley hat den Schwerpunkt auf Literaturverwaltung, ResearchGATE auf facebookartige Vernetzung, Academia.edu auf Darstellung von Instituts-Hierarchien, nature network auf Apps. Außerdem hat Scholarz.nez etwas zu seinem Geschäftsmodell gesagt: es lassen sich jetzt Premium-Accounts buchen. Und es gibt vage Ankündigungen zu Angeboten für Schüler und Lehrer.

Academia.edu meldet nunmehr 275.000 Mitglieder,nach 250.000 im Januar, also 10 % Wachstum innerhalb eines Monats. Mit neuen weiteren Nachrichten hält sich Academia.edu allerdings äußerst bedeckt. Die Jobbörse ist an eine etwas prominentere Stelle gerückt: 300 $ soll eine Anzeige pro Monat kosten. 17 Jobs sind ausgeschrieben, davon sind 13 älter als drei Monate. Da ist also noch Potenzial.
Die ganzen an die Netzwerke angeschlossenen Jobbörsen wären mal ein Thema für eine der nächsten Ausgaben.

Nichts Neues gibt es nach wie vor bei nature network, bei COS Expertise und RefWorks . Biomedexperts zeigt jetzt 350.950 freigeschaltete Profile statt 344.054 Ende Januar.

COSIS.net hat seinen B2B-Bereich gelauncht und ist damit eines der wenigen Netzwerke mit klaren Aussagen zum Geschäftsmodell jenseits von Anzeigen und Premium-Profilen. COSIS.net finanziert sich durch Nutzung der integrierten Apps: vor allem ein Peer Review-System, das auch Public Peer Review beherrscht sowie die Redaktion und Produktion von Büchern, und ein System für Konferenzmanagement, mit dem sich Tagungen mit über 10.000 Beiträgen verwalten lassen. Neu hinzugekommen als Nutzer des Peer Reviews sind die Zeitschriften Carbon and Climate Law Review (CCLR) und Journal of Renewable Energy Law and Policy (RELP) des Berliner Lexxion-Verlages. Damit wird die Geowissenschaftler-Community in COSIS.net um Juristen und Politiker erweitert, die sich mit geowissenschaftlichen Themen beschäftigen und in COSIS.net die passenden Experten finden. Außerdem hat COSIS.net eine weitere Nutzerkategorie eingeführt: Journalisten können sich akkreditieren und erhalten demnächst exklusive Suchfunktionen. Und das Peer Review System bietet jetzt auch Manuskript-Upload auf Deutsch und wahlweise anderen Sprachen und Fachterminologien an – weitere Module sind in Umstellung.

Soweit für heute.

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